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> Accueil > Film > RENE DELTGEN - Der sanfte Rebell
Spurensuche auf sensiblem Terrain

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RENE DELTGEN - Der sanfte Rebell
Spurensuche auf sensiblem Terrain

Vers le niveau supérieur

Nach einjähriger Vorarbeit hat das Centre national de l’audiovisuel 2002 die Buchdokumentation René Deltgen – Eine Schauspielerkarriere vorgelegt. Auf 200 Seiten stellte das Autorenteam Uli Jung, Paul Lesch, Jean-Paul Raths und Michael Wenk Leben und Karriere des aus Esch-sur-Alzette stammenden Schauspielers dar. Grundlage für das Buch waren unter anderem private Fotos, Dokumente und Amateurfilme aus Deltgens Nachlass, die dem CNA von der Familie Deltgen in großzügiger Weise zur Verfügung gestellt wurden.

Während der Arbeiten am Deltgen-Buch entstand die Idee einer TV-Dokumentation über diesen bis heute berühmtesten luxemburgischen Schauspieler. Sujet wie Nachlass erwiesen sich als zu facettenreich, um allein in Buchform ausgewertet zu werden.

Dass eine film- und theaterhistorische Beschäftigung mit dem UFA-Star Deltgen erst ein Vierteljahrhundert nach dessen Tod einsetzt, hat mehrere Gründe. Zum einen zählte Deltgen, obgleich beim Publikum zeitweise äußerst populär und von der Kritik gefeiert, nie zu den Spitzenstars des deutschen Films. Heutzutage gehört er zu den bekanntesten Vergessenen der UFA-Zeit. Dies gilt für Deutschland und Luxemburg gleichermaßen.

Im Anfang war der Blick

Anschlag auf Baku
Fritz Kirchhoff
Universum-Film AG (UFA)(1942) © DR

Zum anderen stellt sich die Betrachtung René Deltgens aus luxemburgischer Sicht weitaus problematischer dar als aus deutscher Perspektive: Die Erinnerung an den Überfall deutscher Truppen im Mai 1940, die Annexion des Landes und die bis September 1944 andauernde Gewaltherrschaft der deutschen Besatzer sind bis heute im kollektiven Gedächtnis Luxemburgs fest verwurzelt. Dass der Luxemburger Deltgen zur selben Zeit in Deutschland Film- und Theaterkarriere machte, vom NS-Regime sogar den offiziellen Ehrentitel „Staatsschauspieler“ verliehen bekam, war für viele seiner Landsleute ein Grund, auf Abstand zu dem „Escher Jong“ zu gehen. Die beiden Proklamationen Deltgens in der luxemburgischen Presse, die für einen Schulterschluss mit dem Deutschen Reich werben sollten, brachten den Schauspieler in seiner Heimat schließlich vollends in Misskredit. Mehr noch: René Deltgen galt in Luxemburg fortan als Kollaborateur und Landesverräter.

Die reservierte bis ablehnende Haltung vieler Luxemburger – speziell der älteren Generation – erklärt sich aus den Folgen der deutschen Annexion für die damalige Bevölkerung: Einer aggressiv betriebenen „Germanisierungspolitik“, der Verhaftung und Erschiessung von Widerständlern und schließlich der Zwangsrekrutierung junger Luxemburger, die innerhalb der Wehrmacht zum Fronteinsatz herangezogen wurden.

Wenn die TV-Dokumentation René Deltgen - Der sanfte Rebell diese - in Deutschland bisher kaum bekannten – Vorgänge im Allgemeinen und Deltgens Rolle im Besonderen darstellt, so geschieht dies mit der gebotenen Objektivität. Ist über die Entstehung der von Deltgen (mit)verfassten und unterzeichneten Aufrufe doch ebenso wenig bekannt wie über persönliche Motive des Schauspielers. Die Dokumentation versteht sich hier als Versuch einer Rekonstruktion von Vorgängen aus der Distanz von 60 Jahren. Historische Filmaufnahmen von der Besetzung Luxemburgs verdeutlichen den zeitgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich 1945/46 der politische Prozess gegen Deltgen abspielte. Darüber hinaus hinterfragt die Dokumentation auch die Verantwortung eines Künstlers für sein Tun innerhalb eines totalitären Systems.

Weit über den politischen Aspekt des Themas hinaus versteht sich René Deltgen - Der sanfte Rebell als Erinnerung an den großen Film- und Theaterschauspieler. In sechs Jahrzehnten Film-, Bühnen-, Hörfunk- und Synchrontätigkeit machte sich Deltgen einen Namen als äußerst vielseitiger Künstler. Mit Rollen als couragierter, unkonventioneller Draufgänger etablierte er zudem einen Darstellertyp im frühen deutschen Tonfilm, dessen natürliches Spiel, Wandlungsfähigkeit und Nonchalance noch heute überzeugen.



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