 |
|
Die 3 Codonas Arthur Maria Rabenalt Tobis-Filmkunst GmbH(1940) © DR
|
Verwegene Abenteurer, wagemutige Artisten, wortkarge Kriminalbeamte und raubeinige Liebhaber zählen zu den Paraderollen des aus Luxemburg stammenden Schauspielers René Deltgen (1909-1979). Geboren in Esch-sur-Alzette, einst Zentrum der luxemburgischen Stahlproduktion, bewirbt sich Deltgen 1927 bei der Schauspielschule der Vereinigten Stadttheater Köln. Er erhält dort ein Teilstipendium und avanciert nach zweijähriger Ausbildung zum Ensemblemitglied.
1935 beginnt seine insgesamt 60 Kinoproduktionen umfassende Filmkarriere: Die UFA engagiert ihn für die Rolle des idealistisch-hitzköpfigen Ritters Maillezais in Das Mädchen Johanna (1935) und baut Deltgen als Nachwuchsstar auf. In vom amerikanischen Abenteuerfilm inspirierten Produktionen der UFA (Kautschuk, 1938; Kongo-Express, 1939) agiert er als tollkühner Leinwandheld, macht sich außerdem als Protagonist von Zirkus- und Varietéfilmen (Die 3 Codonas, 1940;Zirkus Renz, 1943) einen Namen.
Aufgrund seiner darstellerischen Qualitäten von den nationalsozialistischen Machthabern geschätzt, wird er im April 1939, zum „Staatsschauspieler“ ernannt. Während des Zweiten Weltkriegs wirkt Deltgen in einer Reihe von Propagandafilmen mit. Ganz im Sinne nationalsozialistischer Ideologie kommt ihm dabei entweder Vorbildfunktion zu – so in seiner Rolle als deutscher Soldat in Fronttheater(1943) – oder der Negativpart des feindlichen Agenten (Achtung! Feind hört mit!, 1940).
In politischer Hinsicht verhält sich Deltgen, nach wie vor luxemburgischer Staatsbürger, weitgehend abstinent. Als Luxemburg im Mai 1940 von deutschen Truppen annektiert und die Bevölkerung einer brachialen „Germanisierungspolitik“ unterworfen wird, gerät Deltgen jedoch politisch ins Zwielicht: 1940/41 erscheinen zwei von ihm (mit)verfasste und unterzeichnete pro-deutsche Aufrufe in der luxemburgischen Presse. Die Entstehungsgeschichte beider Texte und der Anteil Deltgens daran liegen bis heute im Dunkeln. Beide Proklamationen tragen dem Schauspieler bei seinen Landsleuten jedoch den Vorwurf des Landesverrats und der Kollaboration mit den deutschen Besatzern ein. 1945/46 kommt es deshalb in Luxemburg zu einem vielbeachteten Gerichtsverfahren: Deltgen wird zu zwei Jahren Gefängnis, 100.000 Francs Geldbusse und zum Verlust der luxemburgischen Staatsangehörigkeit – die ihm 1952 rückerkannt wird – verurteilt.
In seinem Heimatland fortan persona non grata, setzt Deltgen seine Bühnen- und Filmkarriere im Nachkriegsdeutschland nahtlos fort. Er spielt die Rolle des General Harras in Carl Zuckmayers Theaterstück „Des Teufels General“, agiert im Film nun als vom Krieg entwurzelter Desperado (Nachtwache, 1949), politischer Fanatiker (Der letzte Sommer, 1954) oder intrigante Hofschranze (Der Tiger von Eschnapur, 1958/59). Besonders populär wird er im Krimifach: Als Protagonist der WDR-Hörspielreihe Paul Temple (1949-66, von Francis Durbridge) und als geheimnisvoller „Hexer“ in dem Kinofilm Neues vom Hexer (1965, nach Edgar Wallace).
Zuletzt gibt der einstige Haudegen des deutschen Films den abgehalfterten Patriarchen (Schau heimwärts, Engel, 1961), gesellschaftlichen Außenseiter (Gefundenes Fressen, 1976/77) und – als letzte Rolle – den Alp-Öhi in der Fernsehserie Heidi (1978).
 |
|
Heidi Fernsehserie (1978) © DR
|
Michael Wenks Film René Deltgen - Der sanfte Rebell - der Titel greift ein Statement von Liselotte Pulver zum Leinwand-Image des Schauspielers auf – erinnert an den so vielseitigen wie politisch umstrittenen Künstler.
Anhand zahlreicher Filmausschnitte, privater Film- und Fotodokumente aus dem Nachlass Deltgens werden Leben und Karriere des Schauspielers im Kontext luxemburgischer wie deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts dargestellt. Hinzu kommen Statements von Deltgens Schauspielerkollegen Götz George, Liselotte Pulver, Nadja Tiller, Katharina Böhm, Elsi Scherer (zugleich Deltgens erste Ehefrau) und Milia Fögen. Ausserdem erinnern sich: Der Filmproduzent Artur Brauner, die Regisseure Michael Verhoeven und Jürgen Flimm, der RTL-Moderator Camillo Felgen und Katrin Deltgen, die Tochter des Schauspielers. Der luxemburgische Historiker Paul Lesch gibt einen Überblick über die Zeit der deutschen Besetzung Luxemburgs 1940-44 und analysiert die Vorgänge rund um den politischen Prozess gegen Deltgen. Jean-Paul Raths, Deltgen-Biograf und luxemburgischer Schauspieler, stellt die Theaterkarriere René Deltgens dar. Den deutschen Kommentar des Films spricht Schauspieler Rolf Becker.
René Deltgen - der sanfte Rebell ist ab Ende November 2004 als DVD im Handel erhältlich.
Die DVD beinhaltet die deutsche und die englische Version des Films (je 60 Min.).Hinzu kommen Bonustracks (ca. 35 Min.): Interviews u.a. mit den Schauspielern Heinz Schimmelpfennig und Oliver Grimm, Ausschnitte aus den Filmen Frühlingslied (1954), Fronttheater (1942) und Das grosse Spiel (1941/42) sowie ein Ausschnitt aus dem Hörspiel Paul Temple und der Fall Margo (WDR 1962, von Francis Durbridge).
Begleitend zum Film ist das Buch René Deltgen – Eine Schauspielerkarriere erhältlich (Bestellung im CNA über Telefon: +352 52 24 24 1 oder e-mail: info@cna.etat.lu)
|